Alle meine Entchen...

Unter Schwan und Gans ist die Ente eines der urtümlichsten numinosen Sumpfwesen in den drei Naturreichen Erde, Wasser, Euft. Wassenvögel stören das Wasser auf und verwandeln es in Sumpf. Die Wasser- Sumpf- Symbolik steht in Verbindung mit dem Gedanken der Erosfreiheit. Im Gartenteich ist das allezeit heitere Entenvolk. Das Wasser schwimmt in der Askoi in Entengestalt. In Altchina ist Entenschießen erotische Metapher. Wildenten verkörpern Ungebundenheit des freien und ledigen Mädchens. Entengekreisch ist Metapher für Mädchenklagen. Die Ente ist Inbegriff der Sinn- und Lebensfieude. Der große Schnatterer bringt Licht und Laut. Wildschütz schießt Wildente aus Liebesuntreue. Die Flucht der Ente vor dem Habicht. Die langhalsigen Idole sind Mischwesen zwischen Menschenfrau und Ente. Die in der Natur zu betrachtende Gattentreue bringt sie mit Penelope zusammen. In der tellurischen Zeugung aus den Wassern ist die Ente die große Göttin des Lebensursprungs und des Todes. Lieblingstiere bei Grabbeigaben sind Enten in Menschengröße. Sakralenten begleiten Trompetenspieler und erscheinen im Zusammenhang mit altägyptischen Labyrinthtänzenen. Musiker haben mehrere Enten bei Begräbnisritern. Sie gelten als Symbol für Erlösung. Die graue Mutter Ente ist die Herrin des Spiralreigens. Graue Enten sind die zurückgewonnene Mädchenfreiheit. Zwerge, Elben und Dämonen haben Entenfüße. Der ungarische Mythos kennt eine sich mit dem Himmel drehende Burg, die von einem festen auf der Erde ruhenden Entenfuß getragen wird. Einen breiten Platschfuß haben die Spinnenmutter und Frau Percht. In Entengestalt sind die Walküren Todkünderinnen. Enten verkörpern bei den Germanen Mädchenschönheit. Auf dem Weg zur Hochzeit wird die Braut von Stiefmutter und Schwester ins Wasser gestürzt und verwandelt sich in eine Ente. Beim Hochzeitsfest der Göttin Bau ist sie Opfiergabe. Das Reittier der Aphrodite ist eine Ente oder Gans. Für den Sonnengott Ra sind Enten Opfertiere und für Smon heilige Tiere. Die Ente ist der Venus und Peitho geweiht. Dem Urgott Amun tritt der große Schnatterer zur Seite. Horus reitet auf der Ente, einem Vogelbegleiter von Seth. Menschenseelen nehmen Entengestalt an. In patrizischen Häusern spielen Knaben mit Enten. Nach dem Hexenabenteuer setzen Hänsel und Gretel auf einer weißen Ente über. Jungfrauen und Knaben tragen die Enten wie eine Jagdbeute. Eros mit den Enten ist Repräsentant einer idealisierten Kinderwelt. Ein Kultwagen wird von drei Enten gezogen. Ein Phlyax geht mit einer ihm folgenden Ente die einen Wurm verschlingt. Der verwöhnte römische Gaumen in der Kaiserzeit goutierte nur Brust und Nacken. Im späten Judentum ~ gilt die Ente als bedächtiges und umsichtiges Wesen bei der Nahrungssuche. Entenfleisch wird aphrodisische Wirkung zugesagt. Entenblut gilt als Universalheilmittel. Ein Entenkopf am Ehebett steht für Glück. In Sarkophagszenen ist die Ente Attribut der Personifikation des Winters. Unter dem Thronsessel von Amon- Re steht eine Ente. Horen tragen in der bloßen Hand oder an einem Stecken Bündel von Enten. In China sind Entenpaare Symbol für eheliches Glück.

Text: Jutta Konjer

Veröffentlicht im Faltblatt; Hamburg, 1995

"Die Pferde sind los" - Text von Gudrun Thiessen-Schneider
zu der Arbeit von Jutta Konjer

"...wo ist denn da der Unterschied..."

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