Der Hund

Der Hund ist ein Tier der Schwelle zwischen Diesseits und Jenseits. Zum Bewachen der Hausschwelle zähmt man wildlebende Hunde. Verstorbene Hunde werden unter der Türschwelle begraben. Unter der Schwelle grub sich ein Hund in wenigen Minuten einen Weg ins Freie. Soll ein Hund im neuen Haus bleiben, darf man kein Futter vom alten Ort mitnehmen. Gibt man dem Hund ein Katzenherz zu fressen, bleibt er stets bei seinem Herrn. Um den Hund an Haus und Hof zu gewöhnen, schneidet man ihm ein Haar ab und trägt dies bei sich im Schuh oder man zieht dem Tier drei Haare aus und legt sie unter das Tischbein in der Küche. Auf in des Teufels Namen abgeschnittenen Hundehaaren läßt man zwei Menschen schlafen, um Feindschaft zu stiften. Beim Beziehen eines neuen Hauses läßt man einen Hund zuerst hineingehen. Aus dem Sterbezimmer jagt man den Hund hinaus. Der Hund wird einem Sterbenden gebracht, damit er mit dem Herrn noch einmal einen Blick austausche, der die bösen Wesen zurückscheucht. Das Nahen der Göttin, Engel des Todes, nehmen nur Hunde wahr. Geister kann man sehen, schaut man zwischen den Ohren des Hundes oder den Vorderbeinen von hinten her durch. Bestreicht man die Augen mit den Tränen eines Hundes, werden Geister sichtbar. Um Geister zu vertreiben, wirft man einen Hund ins Feuer. Aus Fegefeuer und Hölle erscheinen die Seelen der Verschiedenen als Hunde. Eine Meute Hunde jagt die Seelen in das Totenreich. Auf dem Weg zum Himmel treffen die Seelen auf die große Göttin mit ihren Hunden. Von einem Hund wird die Unterwelt bewacht. Vor dem Tor der Mutter wacht der Hund. Zwei Hunde bewachen das Tor zum Tod, das nach dem Mondland führt. Trauernde dürfen nicht zu laut klagen und jammern, weil sonst die Hunde gestört werden und die Seele vor dem Tor angreifen. Der Hund sprang nach dem Tod seines Herrn zu ihm in den Sarg und ließ sich mit ihm lebendig bestatten. Einen toten Hund muss man unter einem Obstbaum begraben, dann gedeiht dieser gut. Mit leckender Zunge heilen Hunde Wunden und Geschwüre. Durch das Gebell werden Dämonen abgewehrt. Frisst ein Hund Gras, gibt es schlechtes Wetter. Während eines Gewitters soll man sich von Hunden fernhalten, da der Blitz nach ihnen schlägt. Zur Abwehr des Getreidebrandes und zur Versöhnung des Hundsgestirns schlachtete man rote Hunde, auf dass er die Kornfelder nicht ruiniere. Es bedeutet Brand, trägt ein Hund einen Strohhalm quer über den Rücken. Einen Hund auf dem Rücken zu tragen gilt als schmachvolle Strafe. Läuft ein Hund zwischen zwei Freunden hindurch, so wird die Freundschaft gelöst. Die Farbe der sengenden Glut ist die Naturfarbe der Hunde. Ein nicht schwarzer Hund bringt Glück, nur nicht als erste Begegnung im neuen Jahr. Von einem schwarzen Hund wird erzählt, der menschlich sprechen konnte. Einen heulenden Hund bringt man zum Schweigen, ruft man ihn mit seinem Namen. Läuft ein fremder Hund einem ungerufen nach, bedeutet es Glück.

Text: Jutta Konjer, Ausstellungskatalog

 

"Die Pferde sind los" - Text von Gudrun Thiessen-Schneider
zu der Arbeit von Jutta Konjer

"...wo ist denn da der Unterschied..."

Der Hund

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